Fluch oder Segen?
Nach zahlreichen Science-Fiction-Filmen, in denen genetische Manipulationen Albträume hervorrufen – von skrupellosen Klonexperimenten bis hin zu Menschen als bloße Ersatzteillager –, haftet der Entschlüsselung unserer DNA für viele noch etwas Unheimliches an. Doch die Realität sieht anders aus: Die genetische Forschung hat enorme Fortschritte gemacht und ermöglicht inzwischen maßgeschneiderte Medizin. Unser Erbgut ist kein Mysterium mehr, sondern eine wertvolle Informationsquelle für personalisierte Gesundheitsstrategien. Wie jede wissenschaftliche Errungenschaft bringt auch die Genommedizin Chancen und Risiken mit sich – sie kann Fluch oder Segen sein. Entscheidend ist, wie wir dieses Wissen nutzen.
Was bedeutet „polygenetisch“?
Der Begriff „polygenetisch“ beschreibt eine genetische Veranlagung, die nicht durch eine einzelne Mutation bestimmt wird, sondern durch das Zusammenwirken vieler verschiedener Gene. Während monogenetische Erkrankungen – also solche, die durch eine Mutation in einem einzigen Gen ausgelöst werden – oft direkt vererbt werden, ist dies bei polygenetischen Risiken anders. Hier beeinflussen mehrere genetische Faktoren gemeinsam die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Krankheit zu entwickeln.
Die Veranlagung zu einigen Volkskrankheiten kann mithilfe genetischer Analysen, den sogenannten polygenetischen Risiko-Scores, vorhergesagt werden. So lässt sich beispielsweise bestimmen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Person an Darmkrebs erkrankt. Ist dieses Risiko erhöht, kann eine frühzeitige Koloskopie (Darmspiegelung) empfohlen werden, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Diese Art der Präzisionsmedizin ermöglicht eine gezieltere Vorsorge und kann dazu beitragen, schwere Erkrankungen zu verhindern oder zumindest frühzeitig zu behandeln.
Welche weiteren Krankheiten lassen sich mit einer polygenetischen Analyse erkennen?
Ein Gentest wie der von Permedio untersucht verschiedene polygenetische Risikofaktoren, die Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit geben, an bestimmten Krankheiten zu erkranken. Dazu gehören unter anderem:
- Krebsarten wie Brustkrebs, Prostatakrebs oder Darmkrebs
- Diabetes Typ 2
- Bluthochdruck
- Vorhofflimmern
- Fettstoffwechselstörungen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle
- Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer
Die Ergebnisse dieser Gen Analyse sind jedoch keine eindeutige Diagnose. Sie zeigen lediglich, ob ein erhöhtes oder verringertes Risiko besteht. Der tatsächliche Ausbruch einer Krankheit hängt immer von einer Kombination aus genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren und Lebensstil ab.
Nicht für jeden ist ein polygenetischer Risikofaktor-Test die richtige Wahl. Vor einer solchen Analyse sollte in einem ausführlichen Beratungsgespräch geklärt werden, ob jemand mental bereit ist, sich mit potenziellen Gesundheitsrisiken auseinanderzusetzen. Während einige Menschen es als hilfreich empfinden, frühzeitig über ihre genetische Veranlagung Bescheid zu wissen, kann dieses Wissen für andere zur psychischen Belastung werden. Besonders bei Erkrankungen wie Alzheimer kann die ständige Angst vor einer möglichen Diagnose mehr Schaden als Nutzen bringen. Ziel der polygenetischen Gen Analyse ist es, präventive Maßnahmen zu ermöglichen – nicht, Angst zu schüren.